Visit-a-Church
Key Image Church of the Holy Sepulchre
Jerusalem (Old City, Christian Quarter)
Jerusalem (Corpus Separatum)
Konfession: Ökumenisch
Geogr. Koordinaten: 31,77849° N, 35,22961° O
Geo Location
Referenzjahr: 335
Beschreibung: Die Grabes- und Auferstehungskirche und die mit ihr verbundenen Klöster, Kirchen und Kapellen der verschiedenen christlichen Konfessionen belegen als historisch gewachsenes Ensemble einen eigenen Bezirk im christlichen Viertel der Jerusalemer Altstadt; Zentrum ist die Rotunde der Auferstehung (Eigentum aller Christen)
Namensgebung: Gedächtnisstätte der Kreuzigung (Golgota) und der Auferstehung (Felsengrab) Jesu Christi seit dem 4. Jh.
Sehenswert
  • Hauptportal aus dem 12. Jahrhundert mit einem mit Spitzbogen, Friesen und Gesimsen versehenen Doppeltor und schlanken Marmorsäulen mit Kapitellen im byzantinischen Stil
  • Lichtkreuz von Paul Nagel auf der Kuppel des Katholikon (1996)
Orgel
  • 3 Orgeln (1982, 2014, 2016) für die Liturgie der Franziskaner (Lateiner) von Rieger Orgelbau aus Schwarzach in Vorarlberg
Sehenswert
  • Grabeskapelle/Ädikula: Darin wird das Heilige Grab verehrt, die 14. Station des Kreuzweges, Ort der Auferstehung Jesu Christi. Sie steht im Zentrum der Rotunde, welche von der großen Kuppel der Kirche überwölbt ist
  • Kalvarienberg oder Golgotafelsen, der Überlieferung nach die Stelle, an der Jesus am Kreuz gestorben ist. Oben stehen, über steile Treppen zu erreichen, der römisch-katholische Kreuzannagelungsaltar (11. Kreuzwegstation) und der griechisch-orthodoxe Kreuzigungsaltar (12. Kreuzwegstation); der südliche Bereich gehört den Lateinern, der nördliche den Griechen
  • Auf dem Salbungsstein beim Eingang der Kirche soll der Leichnam Jesu für die Bestattung vorbereitet worden sein
  • Griechisch-orthodoxe Adamskapelle unterhalb des Kalvarienberges
  • Armenisch-orthodoxe Helena-Kapelle und römisch-katholische Kreuzauffindungskapelle, wo in einer ehemaligen, direkt in den Felsen geschlagenen Zisterne der Fundort des Kreuzes von Jesus liegen soll
  • Katholikon: Im Zentrum der Kirche, von der Rotunde her zugänglich, liegt das als Katholikon bezeichnete Mittelschiff mit Altar und "Nabel der Welt", Omphalos. Über der Vierung sitzt eine Kuppel mit Mosaiken von 1994
Geschichte:
2. Jh.:   Verehrung des Golgotafelsens und der 40 Meter entfernten Gräber; Kaiser Hadrian lässt als Zeichen seines Triumphes über dem frühchristlichen Heiligtum einen Aphroditetempel errichten
325:   Im Anschluss an das Konzil von Nicäa gibt Kaiser Konstantin den Befehl, den Tempel Hadrians abzutragen; dabei werden die spärlichen Überreste der Grabanlage gefunden, die Ort der Auferstehung Jesu Christi gewesen sein soll (historisch und archäologisch plausibel); Konstantin beauftragt den Jerusalemer Bischof Makarius zuammen mit dem Architekten Zenobius, „diesen heiligen Ort mit herrlichen Bauten zu schmücken“: Martyrion (fünfschiffige Basilika in Andenken an die Passion), inneres Atrium mit dem Golgotafelsen und Rundkirche Anastasis mit dem Grab Jesu
13.09.0335:   Weihe der konstantinischen Doppelkirche (Basilika)
614:   Erste Zerstörung durch die Perser – Restaurierung durch Modestus
1009:   Der Fatimidenkalif al-Hakim gibt den Befehl zur Zerstörung der Grabeskirche; Abbruch des Felsengrabs
1011:   al-Hakim befiehlt den Wiederaufbau nach massiven Protesten
1028:   Wiedereinweihung unter Kalif al-Zahir
1049:   Restaurierung unter Kaiser Konstantin IX. Monomachus
Frühes 12. Jh.:   Beginn einer großen Umgestaltung nach dem Sieg der Kreuzritter 1099; Umbau des Atriums in die bis heute bestehende spätromanische Kathedrale und damit Vereinigung der Reste des Grabes und des Golgotahügels unter einem Dach; Grabrotunde wird von einer Holzkuppel in Form eines offenen Kegelstumpfes bedacht
15.07.1149:   Neueinweihung am 50. Jahrestag der Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter
13. Jh.:   Beginn des zähen Ringens der römisch-katholischen, griechisch-orthodoxen, georgischen, armenischen, koptischen und äthiopischen Christen um das Heiligtum, das jahrhundertelang nur mit Notreparaturen vor dem völligen Verfall bewahrt werden konnte
1555:   Neugestaltung der Grabeskapelle (Ädikula) durch die Franziskaner
17. Jh.:   Die Georgier und Äthiopier verlieren ihre Besitzansprüche in der Kirche und wandern auf das Dach und in anliegende Gebäude aus
1720:   Abschluss des Neubaus der Kuppel durch die Franziskaner, nachdem die alte baufällig geworden war
1767:   Erlass der osmanischen Regierung, der die Kirche zwischen den Konfessionen aufteilt
1808:   Ein Brand zerstört große Teil der Grabeskirche, insbesondere die Grabrotunde; Restaurierung durch die Griechisch-Orthodoxen (Baumeister Komnenos von Mytilene) im „türkischen Rokoko-Stil“
1852:   Letzter Erlass „Status Quo“ zur Aufteilung der Besitzansprüche, der bis heute gültig ist; die Hauptverwaltung der Kirche haben die Griechisch-Orthodoxen, die römisch-katholische Kirche, vertreten durch den Franziskaner-Orden, und die Armenische Apostolische Kirche inne; außerdem sind vertreten die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die Kopten und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche; Schlüsselverwahrung bis heute durch muslimische Familien
1927:   Erdbebenschäden
1960:   Renovierung durch Römisch-Katholische, Griechisch-Orthodoxe und Armenier; statische Sicherung und Versuch, die Kreuzfahrer-Kirche möglichst weitgehend wiederherzustellen
02.01.1997:   Einweihung des neuen Kuppelschmucks
2016:   Griechisch-Orthodoxe, Armenier und Römisch-Katholische verständigen sich darauf, die überfällige Instandsetzung der Grabeskapelle durchführen zu lassen (Leitung Antonia Moropoulou); der Bau wird abgetragen, die Steine ausgebessert oder ersetzt und die Ädikula originalgetreu und erdbebensicher wieder aufgebaut
22.03.2017:   Ökumenische Feier zur erfolgreichen Renovierung der Grabeskapelle; die Renovierungen werden fortgesetzt
Abmessungen:
Höhe innen [m]:  50
Quellen
Hohenester, Alexandra: Jerusalem: Die Grabeskirche, https://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/volkskunde/Exkursionen/Israel/Grabeskirche/, abgerufen 13.04.2020
Küchler, Max: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 409–483
Wikipedia: Church of the Holy Sepulchre, https://en.wikipedia.org/wiki/Church_of_the_Holy_Sepulchre, abgerufen 19.04.2020
Wikipedia: Grabeskirche, https://de.wikipedia.org/wiki/Grabeskirche#cite_note-11, abgerufen 12.04.2020
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TuK Bassler
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